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Lexikon · Elektroloks
1144

Die Universelle

Aus der 1044 umgebaut, mit Wendezugsteuerung. Im Regionalverkehr vor CityShuttle-Garnituren nicht wegzudenken.

Steckbrief

SpitznameAlpenstaubsauger
Höchstgeschwindigkeit160 km/h (1044.501: 220 km/h)
Leistung5.280 kW
Anfahrzugkraftbis 341,5 kN
Gewicht84 t
Länge über Puffer16,10 m
AchsfolgeBo'Bo'
Antrieb / Strom15 kV 16,7 Hz
Spurweite1435 mm
Baujahre1974 bis 1987, 1989 bis 1995
Gebaute Stück217
HerstellerSGP, ELIN, BBC/ABB, Siemens

Überblick

Die Reihen 1044 und 1144 der ÖBB sind vierachsige elektrische Universallokomotiven, die Simmering-Graz-Pauker entwickelt und in Graz gebaut hat. Sie fuhren von Anfang an in ganz Österreich vor allen Zugarten und gelten als Meilenstein im Lokbau. Bei ihrer Indienststellung zählten sie zu den stärksten vierachsigen E-Loks der Welt und blieben bis zur Ankunft der Taurus-Reihen 1016 und 1116 das Aushängeschild der ÖBB.

Geschichte

Ende der 1960er Jahre setzte ASEA in Schweden mit der Thyristorsteuerung der Fahrmotoren neue Maßstäbe. Nach guten Erfahrungen mit den zehn schwedischen Loks der Reihe 1043 wollten die ÖBB nur noch Thyristorloks kaufen. Auf Basis der 1043, einer umgebauten Re 4/4 der Lötschbergbahn und der Ge 4/4 II der Rhätischen Bahn bestellten sie zwei Prototypen bei der heimischen Industrie, die 1974 und 1975 als 1044.01 (Achtbrückenschaltung) und 1044.02 (Vierbrückenschaltung) in Dienst gingen. Die Serie folgte der 1044.02, mit einfacherem Wicklungsaufbau der Motoren, und ging ab 1978 ab der 1044.03 in Betrieb.

1978 traten bei 1044.03 bis 20 Radreifenbrüche auf, ausgehend von eingeschlagenen Fabrikationsnummern. Die Nummern wurden ausgeschliffen, ab 1044.27 kamen unpunzierte Radreifen, ab 1044.51 Monoblockräder, auf die alle Loks umgerüstet wurden. In den Wintern 1979/80 und 1980/81 machten Luftansaugung und Feuchtigkeit Probleme; ab 1044.71 gab es höhere Ansauggitter, die älteren Loks erhielten Zyklonabscheider.

Bis 1987 entstanden 126 Loks (1044.01 bis 126). Die 1044.02 diente später als Ersatzteilspender, die 1044.01 wurde 1987 zur Schnellfahrlok 1044.501 umgebaut und erreichte 241,25 km/h. Von 1989 bis 1995 folgten 90 Loks 1044.201 bis 290 mit geänderten Drehgestellen, besserer Schalldämmung und anderer Übersetzung.

Zehn Loks wurden bei Unfällen schwer beschädigt, vier davon (022, 038, 047, 076) ausgemustert. Mehrere wurden mit Neubaukästen wiederaufgebaut; die 1044.117 wurde nach dem Unfall bei Imst 1986 durch eine fabrikneue Zweitbesetzung ersetzt. Die 051 kehrte mit Teilen der 1044.2 als 1044.256, später 1044.200 zurück.

Zwischen 2002 und 2005 wurden die 1044.2 zur 1144.2 umgebaut, ab 2009 auch 003 bis 126 (abgeschlossen 2013) mit Fernsteuerung, GSM-R, PZB 90 und LED-Scheinwerfern. Im August 2006 standen 119 Loks 1044.0 und 91 Loks 1144 im Bestand.

Einsatz

Die Loks fuhren in ganz Österreich vor allen Zugarten. Vor der Beschaffung der 1016/1116 zogen sie alle Schnellzüge nach München. Die letzte Serie erhielt LZB, auch für Deutschland-Einsätze. Die 1144 200 bis 219 bekamen Funkfernsteuerung für den Nachschiebedienst am Brenner, die aber nie zugelassen wurde.

Seit 2018 werden die ältesten 1144.0 bei fälliger Teilausbesserung abgestellt und als Ersatzteilspender genutzt; bis 2021 waren 55 Loks abgestellt. Ein Grund ist der höhere Energieverbrauch gegenüber 1016/1116 oder 1142. Rund 50 Loks sollten auf 25 kV 50 Hz umgebaut und in die Türkei verkauft werden, das Projekt scheiterte im März 2021, worauf zwölf Loks wieder in Betrieb gingen. Die Tendenz geht aber weiter Richtung Ausmusterung.

Die 1144.40 fährt als moderne Nostalgielok in Blutorange mit altem Pflatsch-Logo weiter im Plandienst. Acht Loks kaufte 2024 Grenland Rail, die Aufarbeitung übernimmt Railcare in Långsele; 1144 020 war im Juni 2025 betriebsfähig.

Technik

Die Drehgestelle sind drehzapfenlos auf Flexicoilfedern abgestützt und haben einen elektropneumatischen Achsausgleich; die Zugkraft läuft über tief angelenkte Zugstangen. Vier Einphasen-Reihenschluss-Kollektormotoren treiben über einen BBC-Federantrieb mit Doppelkonus-Gummielementen die Radsätze an, gesteuert über Thyristoren. Die E-Bremse ist eine thyristorgesteuerte Gleichstrom-Widerstandsbremse. Ein mechanischer Umformer liefert Drehstrom für Ölpumpen und Lüfter, ein Kolbenkompressor BRK 15 die Druckluft. Die Möbelbauweise stammt von der 1043.

Ab 1044.201 wurde die Übersetzung geändert, um Motorschäden zu verringern. Ab 1044.216 gab es zugbusgesteuerte Vielfachsteuerung, kompatibel mit der 1014; mit dem Umbau zur 1144 wurden alle Loks zum UIC-Zugbus nach ÖBB-Fernsteuerkonzept kompatibel. 1044 255 bis 290 hatten ab Werk LZB. Ab 2020 erhielten die aktiven 1144 außer 1144 008 einen Vakuum-Hauptschalter.

Ursprünglich waren die Loks blutorange; ab 1988 kam das Schachbrett-Design von Wolfgang Valousek, ab 1044 204 verkehrsrot mit achatgrauer Bauchbinde, auf das fast alle Loks umlackiert wurden.

Erhaltene Fahrzeuge

  • 1044 501 und 1144 017 im Eisenbahnmuseum Strasshof
  • 1144 006, 030, 032 und 096 von ProLok gekauft; 1144 096 stand im Mai 2024 in Wien Heiligenstadt
  • 1144 003, 010, 018, 019, 020, 024 bei Grenland Rail in Aufarbeitung
  • 1144.40 als Nostalgielok in Blutorange im Plandienst
  • Quelle

    Dieser Text beruht auf dem Wikipedia-Artikel „ÖBB 1044/1144“ (de.wikipedia.org/wiki/%C3%96BB_1044%2F1144) und steht wie dieser unter der Lizenz CC BY-SA 4.0 (creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de). Die Autoren sind in der Versionsgeschichte des Artikels zu finden.

    Zuletzt bearbeitet am 21.10.2026 von jerryously
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